# Amerikanischer IRA setzt Europas Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

- Link: https://www.maier-steuerberater.de/amerikanischer-ira-setzt-europas-wettbewerbsf-higkeit-unter-druck/
- Veröffentlicht: 2023-03-05T06:43:47+01:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 02.03.2023

Am 16. August 2022 ist in den USA der „Inflation Reduction Act“ (IRA) in Kraft getreten.
Das amerikanische Klimaschutzpaket hat Sorgen um ein neues Subventionswettrennen
sowie eine Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union ausgelöst–
gerade auch angesichts der hohen Energiepreise in Europa. Gleichzeitig droht ein
Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten, da Teile des IRA ausländische Unternehmen
von Vergünstigungen ausschließen. Wie sollte die EU gegenüber den USA reagieren?
Wie kann sich Europa im globalen Wettbewerb um Investitionen etwa im Energie- und
Technologiebereich attraktiver machen – und zwar ohne Abschottung und ohne Verzicht
auf die Haushaltsdisziplin? Für die deutsche Wirtschaft sind diese Richtungsentscheidungen
immens wichtig.

## Wirtschaftsstandort Deutschland unter Druck

Der IRA beinhaltet klimarelevante Steuervergünstigungen von rund 369 Milliarden 
US-Dollar, die Unternehmen mit Produktion in Nordamerika beanspruchen können. Diese
Produktionspflichten in den USA oder in mit ihnen verbundenen Nachbarländern führen
zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Unternehmen, die in Europa produzieren – etwa
in der Automobil- oder Batteriefertigung. Da in diesen Branchen umfangreiche Zuliefererstrukturen
mit vielen Arbeitsplätzen bestehen, hätten Produktionsverlagerungen in die USA erhebliche
Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland.

In einer aktuellen AHK-Umfrage geben 17 Prozent der in den USA vertretenen deutschen
Unternehmen den IRA als einen Grund dafür an, ihre Investitionen auszuweiten. Immerhin
sind die USA der wichtigste Exportmarkt der deutschen Wirtschaft. Nach dem IRA-Vorbild
der Amerikaner können nun andere Staaten durch Steueranreize für die lokale Produktion
den globalen Standortwettbewerb anheizen. Solche Lokalisierungspflichten verstoßen
allerdings gegen die Handelsregeln der Welthandelsorganisation WTO.

## Abschottung als Sackgasse

Die EU sollte sich daher energisch gegenüber den USA dafür einsetzen, dass europäische
Unternehmen in IRA-Fragen der heimischen Wirtschaft gleichgestellt werden. Zudem
würde ein transatlantisches Abkommen über gegenseitige Anerkennung von klar definierten“
Clean-Tech”-Produkten für die Unternehmen Hürden abbauen und den Handel im Bereich
der erneuerbaren Energien sowie anderer Klimaschutz-Technologien erleichtern. Zudem
muss sich die Europäische Union konsequent gemeinsam mit weiteren Ländern für bessere
Welthandelsregeln im Fall von Industriesubventionen einsetzen.

Auch in der EU fordern Politiker – analog zu den USA – Vorgaben für die Produktion
in der EU und damit verbundene Subventionen sowie die Abschottung des europäischen
Beschaffungsmarktes gegen Konkurrenz aus Drittländern. So verständlich eine solche
Reaktion auch ist, bei näherer Betrachtung wird klar: Der international eng vernetzten
deutschen Wirtschaft würden solche Protektionismus-Spiralen schaden – erst recht
angesichts der geopolitischen Lage, die eine Diversifizierung und die Absicherung
von Lieferketten erfordert. Hierfür sollte die EU mit wichtigen Handels- und Rohstoffpartnern
wie Mercosur, Indien und Indonesien Handelsabkommen abschließen. Diese eröffnen 
neue Marktchancen und zusätzliche Bezugsquellen für knappe Rohstoffe, die für die
Energiewende im rohstoffarmen Deutschland unerlässlich sind.

## IRA als Weckruf – für eine EU-Wettbewerbsfähigkeitsagenda

Der IRA bietet einen Anlass dafür, die europäische Wirtschaftspolitik auf den Prüfstand
zu stellen. Mit der Lissabon-Strategie hat die EU bereits vor 20 Jahren selbst das
Ziel formuliert, zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Nun
ist es höchste Zeit für eine neue Strategie, damit Europa als innovativer Industriestandort
weiterhin global bestehen kann. Wichtig dabei ist, Standortfaktoren wie die Stärkung
von Bildung und Forschung, einen attraktiven Steuerrahmen sowie eine gute Infrastruktur
nicht zu vernachlässigen. Statt zusätzlicher Belastungen durch Aufzeichnungs- und
Genehmigungspflichten brauchen die europäischen Unternehmen eine unterstützende 
Politik. Statt in den globalen Überbietungswettbewerb für Subventionen einzusteigen,
zahlen sich zielgenaue Investitionsanreize insbesondere im Energie- und Technologiebereich
aus.

Am 1. Februar hat die EU-Kommission einen Industrieplan für den Green Deal vorgelegt,
der unter anderem mehr staatliche Unterstützung für den grünen und digitalen Wandel
vorsieht. Für die deutsche Wirtschaft ist dieser Plan noch zu vage, und es ist noch
nicht erkennbar, wie er konkrete Anreize für schnelles Handeln bieten soll. Klar
ist: Die Zeit drängt, und Europa muss für den globalen Wettbewerb einen Gang hochschalten.

_Quelle: DIHK_
