# Arbeitszeiterfassung: Zwei Drittel der Unternehmen beklagen erheblichen Mehraufwand

- Link: https://www.maier-steuerberater.de/arbeitszeiterfassung-zwei-drittel-der-unternehmen-beklagen-erheblichen-mehraufwand/
- Veröffentlicht: 2023-05-25T12:52:23+02:00
- Autor: Thomas Stuppy

Bitkom, Pressemitteilung vom 26.05.2023

 * Viele Unternehmen sehen Erfassungspflicht kritisch und fordern gesetzliche Verbesserungen
 * Drei Viertel der Unternehmen für wöchentliche statt täglicher Höchstarbeitszeit
 * Bundestag diskutiert am heutigen Freitag Oppositionsantrag zur Arbeitszeiterfassung

Hoher Aufwand, schwierige Umsetzung, mangelnde Flexibilität: Ein Großteil der deutschen
Unternehmen sieht die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung kritisch und fordert vom 
Gesetzgeber umfassende Verbesserungen. So sagen zwei Drittel der Unternehmen (66
Prozent), dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassungssysteme
erheblichen finanziellen und administrativen Mehraufwand verursacht. Gleichzeitig
wollen mehr als drei Viertel (78 Prozent), dass die gesetzliche Neuregelung des 
Arbeitszeitrechts die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt.
Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten
in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach finden 60 Prozent,
dass die Einführung beziehungsweise Anpassung der Arbeitszeiterfassung durch das
bisherige Fehlen einer gesetzlichen Neuregelung erschwert wird. Ohnehin halten 59
Prozent der Unternehmen eine genaue Arbeitszeiterfassung in der Praxis für nur schwer
umsetzbar.

„Das Bundesarbeitsgericht hat mit seinem Beschluss vom September 2022 mehr als 34
Millionen Menschen zur minutiösen Erfassung ihrer Arbeitszeit verpflichtet. Der 
Gesetzgeber sollte diesem Anachronismus ein Ende bereiten und die gesetzlichen Voraussetzungen
dafür schaffen, dass auch künftig Vertrauensarbeitszeit möglich ist. Niemand sollte
gezwungen werden, seine Arbeitszeit zu erfassen, wenn zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten
Einvernehmen herrscht, dass dies nicht nötig ist. Der aktuelle Referentenentwurf
zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes geht komplett an der Realität der heutigen 
Arbeitswelt vorbei, in der Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit für viele zum Standard
gehören“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Nicht nur die geplante tagesaktuelle
Erfassungspflicht, auch das Beharren auf einer täglichen Höchstarbeitszeit sind 
absolut kontraproduktiv. Bitkom fordert schon lange eine wöchentliche Höchstarbeitszeit,
die den Beschäftigten bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit mehr Flexibilität und
Selbstbestimmtheit gewähren würde. Auch die vorgeschriebene Ruhepause von elf Stunden
passt nicht zu „New Work“, wie viele Beschäftigte es sich wünschen. Hierunter leidet
besonders die Digitalbranche, die angesichts des massiven IT-Fachkräftemangels attraktiv
bleiben muss.“ Am heutigen Freitag diskutiert der Bundestag einen Antrag der Unionsfraktion
zur bürokratiearmen Arbeitszeiterfassung. Er geht aus Bitkom-Sicht in die richtige
Richtung, da er die Möglichkeit freiwilliger Vertrauensarbeitszeitmodelle sowie 
eine Abkehr von der tagesaktuellen Erfassungspflicht und der täglichen Höchstarbeitszeit
fordert.

Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) sind überzeugt, dass durch die Erfassungspflicht
die Flexibilität von Vertrauensarbeit verloren geht. Rund die Hälfte (48 Prozent)
befürchtet, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Aufzeichnungspflicht
kontrolliert fühlen. Gleichzeitig sagen 44 Prozent, dass die Arbeitszeiterfassungspflicht
die Beschäftigten vor Stress und Überlastung schützen kann. Berg: „Wo früher auf
Vertrauensbasis gearbeitet wurde, zwingt die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung zu
Kontrolle und sorgt für vollkommen unnötige Bürokratie. Die Ampel-Regierung hat 
im Koalitionsvertrag angekündigt, dass bei einer Anpassung des Arbeitszeitrechts
Vertrauensarbeit weiterhin möglich sein soll. Daran muss sie sich jetzt messen lassen.

_Quelle: Bitkom_
