# Ein Chatbot – viele Facetten

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- Veröffentlicht: 2023-05-04T09:36:10+02:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 05.05.2023

ChatGPT ist in aller Munde. Der intelligente Chatbot versetzt Wirtschaft und Gesellschaft
in Staunen – und in Besorgnis zugleich. Er kann sekundenschnell Texte formulieren,
Recherchen durchführen, Inspiration liefern und Aufgaben lösen. Für viele Unternehmen
bietet das Chancen – nicht zuletzt die Aussicht auf hohe Effizienzgewinne. Gleichzeitig
hat die Anwendung eine breite Debatte darüber ausgelöst, welche Regeln für einen
sicheren und vertrauenswürdigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) nötig sind.
Denn mit der Technologie gehen neue Rechtsfragen, Risiken und Herausforderungen 
einher. In Brüssel wird bereits seit mehr als zwei Jahren an einer entsprechenden
Gesetzesgrundlage gearbeitet.

## Klare Spielregeln für KI

So hat die EU-Kommission im April 2021 den Entwurf für ein „[Gesetz über Künstliche Intelligenz](https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/dihk-durchblick-digital/europaeisches-gesetz-ueber-kuenstliche-intelligenz-63750https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/dihk-durchblick-digital/europaeisches-gesetz-ueber-kuenstliche-intelligenz-63750)„,
den sogenannten Artificial Intelligence Act (AI-Act), vorgelegt. Der Entwurf unterscheidet
KI-Anwendungen nach verschiedenen Risikoklassen und knüpft an diese unterschiedliche
Anforderungen an – zum Beispiel in Bezug auf Datenqualität oder Transparenzpflichten.
Je höher die Risikoklasse, desto strenger sind die Anforderungen. Ziel ist es, die
Sicherheit und das Vertrauen in KI-Anwendungen zu stärken.

Für die Wirtschaft ist das von hoher Bedeutung, denn hiervon wird abhängen, wie 
hoch der Erfolg und die Akzeptanz der Technologie ist. Viele Unternehmen befassen
sich derzeit mit der Frage, ob sie in KI-Technologien investieren sollen. Eine positive
Antwort darauf kann es nur geben, wenn Unternehmen einen Rechtsrahmen vorfinden,
der es ihnen ermöglicht, KI in der EU langfristig rechtssicher zu entwickeln und
anzuwenden.

## KI statt K.O.

Aktuell wird in Brüssel darüber diskutiert, wie sog. Allzweck-KI, zu der auch ChatGPT
zählt, in den AI-Act integriert werden kann. Eine Überregulierung an dieser Stelle
würde die europäische Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung des Technologiestandortes
für Unternehmen gefährden. Viele Unternehmen stehen unter großem Druck, sich Herausforderungen
wie der Transformation Richtung Klimaneutralität sowie dem Fachkräftemangel zu stellen.
Unterstützende Technologien wie ChatGPT können ihnen dabei eine große Hilfe sein.
Gerade in risikoarmen Anwendungsszenarien sollten Betriebe nicht unnötig eingeschränkt
werden. Es ist wichtig, dass auch bei KI-Tools wie ChatGPT der risikobasierte Ansatz
des AI-Act konsequent zur Anwendung kommt – also nach Ausmaß des Risikos unterschieden
wird. Angesichts des breiten Anwendungsfeldes und der unterschiedlichen Einsatzzwecke
ist die Risikobestimmung von Allzweck-KI jedoch ohne Frage eine große Herausforderung.

## Die Zeit läuft

Bis ein einheitlicher europäischer Rechtsrahmen in Anwendung tritt, wird es noch
dauern. Wenn alles nach Plan läuft, könnten die Verhandlungen 2024 ihren Abschluss
finden. Nach dem Inkrafttreten des AI-Act dauert es voraussichtlich noch zwei weitere
Jahre bis zur vollständigen Anwendbarkeit. Für viele Unternehmen ist das zu lange.
Sie benötigen Klarheit und Unterstützung bei Rechtsfragen der Anwendung, zum Beispiel
durch Handlungsleitfäden. Auch Rahmenbedingungen für den datenschutzkonformen Einsatz
sollten zügig auf den Weg gebracht werden, zum Beispiel mehr Transparenz über den
Ort der Datenverarbeitung und den Umgang mit personenbezogenen Daten. Auf nationaler
Ebene befasst sich derzeit eine Taskforce der Datenschutzkonferenz mit dem Thema.

## Betrieblicher Umgang mit KI

Wichtig ist jetzt, dass sich Unternehmen mit den Chancen und möglichen Risiken vertraut
machen und die vorhandenen gesetzlichen Grundlagen beim Einsatz von KI-Anwendungen
wie ChatGPT beachten. Zum Beispiel sollten sich Mitarbeitende über die aktuellen
urheber- oder datenschutzrechtlichen Risiken informieren und sicherstellen, dass
sie keine Rechtsverletzungen begehen. Eine Unterstützung bei der Anwendung bietet
ein entsprechender [DIHK-Orientierungsrahmen](https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/digitalisierung/was-unternehmen-beim-umgang-mit-generativen-ki-anwendungen-beachten-sollten-94832).

Darüber hinaus gilt es, die Vermittlung von Wissen über die Funktionsweise der Systeme
voranzutreiben. KI-Kompetenz ist das Gebot der Stunde. Im Rahmen der Initiative #
GemeinsamDigital richten die IHKs kostenlose Weiterbildungsangebote zum [KI-Technologien](https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/gemeinsamdigital/digitale-innovationen-technologien-und-produkte-71364)
aus.

_Quelle: DIHK_
