# Eine Politik für Klimaschutz und starke Wirtschaft

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- Veröffentlicht: 2022-01-31T07:48:12+01:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 27.01.2022

Die Bundesregierung wird sich in der kommenden Zeit in einem Spannungsfeld zwischen
klima- und wirtschaftspolitischen Fragen bewegen. Das zeigt schon der Blick in den
Koalitionsvertrag: An 198 Stellen taucht der Begriff „Klima“ auf, an 173 der Begriff„
Wirtschaft“. Aufgabe wird es sein, einen ambitionierten Beitrag Deutschlands zum
globalen Klimaschutz mit positiven Impulsen für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Unternehmen zu verbinden.

## Klimapolitische Herausforderungen für die Wirtschaft

Maßgeblich für die deutsche Klimapolitik sind die EU-Klimaziele. Bis 2030 müssen
deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen werden – „netto“ mindestens 55 Prozent
gegenüber dem Stand von 1990. Da die Ziele nach Leistungsfähigkeit auf die einzelnen
Staaten umgelegt werden, ergeben sich für Deutschland noch strengere Anforderungen.
Das bedeutet: Die Emissionen hierzulande müssen bis 2030 um mindestens 65 Prozent
gesenkt werden, so sieht es das deutsche Klimaschutzgesetz vor. Die konkreten Minderungsziele
werden die Energieerzeugung und -verwendung in allen Betrieben nachhaltig verändern.
Eine besondere Herausforderung ist dabei das Projekt des vorgezogenen Kohleausstiegs.
Soll dieser bereits bis 2030 vollzogen sein, müssen dann kohlenstofffreie oder zumindest
kohlenstoffärmere Kapazitäten für eine sichere Stromversorgung bereitstehen. Die„
Kohlekommission“, ein pluralistisches Beratungsgremium der Bundesregierung, hatte
vor drei Jahren 2038, frühestens 2035, als realistisches Datum für ein Ende der 
Kohleverstromung bezeichnet.

## Status quo in den Betrieben

Umfragen des DIHK bei Unternehmen über Branchengrenzen hinweg zeigen, dass der Klimaschutz
zwar generell hohe Zustimmung findet, die Betriebe sich aber aktuell mit extrem 
steigenden Strom- und Gaspreisen konfrontiert sehen. Bereits im Herbst 2021 lag 
der Anteil der Unternehmen, die darin ein Geschäftsrisiko sehen, bei 76 Prozent –
ein Anstieg um 56 Prozentpunkte gegenüber 2020. Fast die Hälfte der Betriebe ist
laut einer DIHK-Umfrage von November 2021 speziell zu Strom- und Gaspreisen davon
überzeugt, dass der Preisanstieg zum Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit am Standort
Deutschland führen wird. Deutsche Unternehmen zahlen beim Strom in fast allen Abnahmegruppen
schon länger die höchsten Strompreise.

## Für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort

Die Bundesregierung will ihrerseits dafür sorgen, dass die Industrie in Deutschland
weiterhin wettbewerbsfähige Standortbedingungen vorfindet. So sollen die Belastungen
durch die EEG-Umlage spätestens ab 2023 vollständig durch den Bundeshaushalt getragen
werden. Das bringt vor allem stromintensiven Unternehmen, die bislang nicht von 
Ausgleichsregelungen profitieren konnten, eine fühlbare Entlastung. Ebenso soll 
die Wasserstoffstrategie überarbeitet sowie die Elektrolysekapazität bis 2030 verdoppelt
werden. Daneben will die Politik ihre Anstrengungen verstärken, Wasserstoff von 
ausländischen Erzeugern zu beziehen.

Offene Fragen bestehen dennoch weiterhin – insbesondere beim Thema „Carbon Leakage“:
Wie kann die Gefahr von Produktionsverlagerungen für die ganze Bandbreite des produzierenden
Gewerbes durch den nationalen CO2-Emissionshandel abgewendet werden? Oder: Welche
Zukunft haben Verfahren zur technischen Vermeidung von Kohlendioxidemissionen, auch„
Carbon Capture and Storage/Use“ genannt, in Deutschland?

## Schnellere Planungen und Genehmigungen notwendig

Wenn die Transformation der Energieerzeugung gelingen soll, dann braucht es in besonderem
Maße eine Beschleunigung für die Planung, Genehmigung und Errichtung neuer Anlagen
einschließlich der erforderlichen Infrastruktur. Bleibt bei Planung und Genehmigung
alles beim Alten, kann es sechs bis neun Jahre dauern, einen Windpark ans Netz zu
bringen – schlechte Grundvoraussetzung für die Energiewende. Der Koalitionsvertrag
weckt die Erwartung, dass dies künftig schneller geht: Die Halbierung der Verfahrensdauer
ist eine Ansage, die Hoffnung macht.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/eine-politik-fuer-klimaschutz-und-starke-wirtschaft-73184)
