# EU-Kanada Abkommen: CETA im Fokus der Wirtschaft

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- Veröffentlicht: 2022-08-05T04:34:26+02:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 04.08.2022

Seit September 2017 wird das Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada (CETA, kurz
für Comprehensive Economic and Trade Agreement) vorläufig angewandt. Deutsche Unternehmen
profitieren davon, dass seitdem Handelshemmnisse auf beiden Seiten abgebaut wurden:
Zölle sind gesunken, Doppelzertifizierungen entfallen, und der Marktzugang hat sich
verbessert. In Folge stieg das deutsch-kanadische Handelsvolumen allein 2021 um 
9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für ein vollständiges Inkrafttreten des Abkommens
fehlt jedoch noch die Ratifizierung in zwölf EU-Ländern, darunter auch Deutschland.
Der nun im Bundestag gestartete Ratifizierungsprozess ist für die Planungssicherheit
im deutschen Außenhandel und für Investitionen wichtig, vor allem aber auch ein 
wichtiges Signal angesichts des weltweit zunehmenden Protektionismus.

## Vorteile für deutsche Unternehmen

Kanada ist ein bedeutender Wirtschaftspartner: Das jährliche Güterhandelsvolumen
mit Deutschland ist seit der Anwendung von CETA um rund ein Fünftel gestiegen.

So hat das Abkommen inzwischen den Abbau von 99 Prozent aller Industriezölle bewirkt.
Für europäische Unternehmen fallen seitdem jährlich 590 Millionen Euro an kanadischen
Zollgebühren weg. Die hatten zuvor etwa bei Textilien bis zu 16 Prozent betragen,
bei Automobilen und Maschinen bis zu 9,5 Prozent.

Hinzu kommt die weitreichende Öffnung der staatlichen Beschaffungsmärkte. Der Bürokratieabbau
im Kanada-Geschäft, etwa bei der Zollabwicklung oder bei doppelten Prüfanforderungen,
kann insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen: Durch CETA können
beispielsweise bei Elektro-, Elektronik-, Mess- und Funkgeräten, bei Spielzeug oder
Maschinen Konformitätsbescheinigungen der jeweils anderen Seite akzeptiert werden,
sodass die Betriebe nicht mehr doppelt für vergleichbare Prüfungen zahlen müssen.

Von der vorläufigen Anwendung des Abkommens ausgenommen sind bis dato aber teilweise
die Bereiche Investitionen und Finanzdienstleistungen sowie der Investitionsschutz.
Diese Bestandteile werden für Unternehmen erst aktiviert, sobald CETA vollständig
in Kraft ist, und sie sind bei einem Bestand von 20 Milliarden Euro deutscher Direktinvestitionen
in Kanada durchaus relevant. Während Handelsabkommen wie CETA auch in der Wirtschaft
intensiv diskutiert werden, sieht ein Großteil der Unternehmen in diesen angesichts
der Handelsvorteile überwiegend Chancen.

## Signalwirkung für offene Märkte, …

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und protektionistischer Strömungen,
die den Außenhandel belasten sollte sich die Bundesregierung gerade jetzt für engere
Handelsbeziehungen mit wichtigen Partnern einsetzen und etwa die EU-Abkommen mit
Mercosur, Indonesien und Indien vorantreiben. Die EU sollte als Weltmeister der 
Handelsabkommen ihre Führungsrolle für weltweit offene Märkte und regelbasierten
Handel stärker zum Tragen bringen. Denn moderne Abkommen können verlässliche Rahmenbedingungen
zur Diversifizierung von Lieferketten schaffen und neue Absatzmärkte erschließen.
Hierfür ist eine Zustimmung des Bundestages zur CETA-Ratifizierung ein wichtiges
Signal für die international eng vernetzte deutsche Wirtschaft. Immerhin hängt ein
Viertel der deutschen Arbeitsplätze am Außenhandel, in der Industrie sogar jeder
zweite.

## … aber Umsetzung entscheidend

Handelsabkommen können nur Erfolg haben, wenn sie auch umsetzbar sind – gerade für
den Mittelstand. Die neue Bundesregierung sollte sich deshalb auch über CETA hinaus
bei allen Handelsabkommen für Vereinfachungen stark machen, insbesondere für klare
und harmonisierte Warenursprungsregeln, ein vollumfängliches EU-Online-Tool zu Ursprungsregeln
oder für die Ausfertigung von standardisierten Ursprungsnachweisen über alle Abkommen
hinweg.

Die Digitalisierung der Zollprozesse sollte beschleunigt und der EU-Zolltarif durch
vereinfachte Eintarifierungen entbürokratisiert werden. Das würde gerade kleine 
und mittlere Unternehmen entlasten und den Handel erleichtern.

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voranschreiten kann.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/eu-kanada-abkommen-ceta-im-fokus-der-wirtschaft-82735)
