# Explodierende Energiepreise aktuell sehr große Herausforderung für die Wirtschaft

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- Veröffentlicht: 2022-03-18T10:07:00+01:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 17.03.2022

Der Russland-Ukraine-Krieg hat die Belastung der Unternehmen durch hohe Energie-
und Rohstoffpreise nochmals verstärkt. Aber schon in der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage
kurz vor Kriegsbeginn nannten zwei Drittel der Betriebe aus allen Branchen und Regionen
die Energie- und Rohstoffpreise als großes Geschäftsrisiko. In der Industrie berichteten
sogar 85 Prozent davon. Damit liegen diese Werte so hoch wie noch nie. Und nun verschärft
sich die Situation noch weiter.

## Strom und Gas zu noch teureren Konditionen

Viele Unternehmen hatten aufgrund der sehr hohen Preise in den vergangenen Monaten
beim Energieeinkauf abgewartet, nur für kurze Zeiträume Lieferverträge abgeschlossen
oder auch durch die hohen Preise ihren Versorger verloren. Sie hatten teilweise 
bei ihrer Beschaffung auf eine Entspannung der Märkte gesetzt. Bei Ausbruch des 
Krieges in der Ukraine hatte die Hälfte der Unternehmen ihre Strom- und Gasbeschaffung
für das laufende Jahr noch nicht abgeschlossen. Das hat eine aktuelle Befragung 
des DIHK bei 2.000 Betrieben aller Branchen ergeben. Fast jedes dritte Unternehmen
muss noch mehr als 70 Prozent des für 2022 benötigten Stroms einkaufen, ein Viertel
muss sogar noch mehr als 70 Prozent seiner Gasmengen beschaffen – nun mit weitaus
höheren Kosten.

Denn die aktuellen Entwicklungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben
die Preise weiter in die Höhe schnellen lassen. Russland ist beim Export der Energieträger
Erdöl, Erdgas und Kohle eines der wichtigsten Länder weltweit. Deutschland bezieht
55 Prozent seiner Gas- und 35 Prozent seiner Öllieferungen aus russischen Quellen.
Tatsächliche oder erwartete Knappheit, aber auch ein möglicher Ausfall von Lieferungen
sind derzeit preistreibende Faktoren.

## Betriebe von klein bis groß stark beeinträchtigt

Der sprunghafte Preisanstieg trifft die deutsche Wirtschaft massiv. Mittelständler
mussten auch aufgrund staatlicher Zusatzlasten bereits in Vor-Krisenzeiten die höchsten
Preise in Europa zahlen – etwa doppelt so viel wie vergleichbare Unternehmen in 
Frankreich. Nun wird immer öfter eine Existenz gefährdende Schwelle überschritten:
Busbetriebe, teilweise schon stark von Reiseeinschränkungen durch die Corona-Krise
gebeutelt, können anstehende Touren wegen der hohen Spritkosten nicht mehr kostendeckend
bewältigen.

Logistikunternehmen leiden neben fehlenden Lkw-Fahrern inzwischen so sehr unter 
den hohen Preisen, dass die ersten aufgeben. Auch ganze Industriebranchen schlagen
Alarm, dass sie bei diesem Energiepreis-Niveau am Standort Deutschland aufgeben 
müssen. So hat ein mittleres Unternehmen der Glasindustrie 2015 im Durchschnitt 
noch 100.000 Euro monatlich für seine Energieversorgung bezahlt. Aktuell ist dafür
das Fünf- bis Sechsfache oder gar noch mehr fällig. In Bayern hat das erste Stahlwerk
aus Kostengründen für einige Tage abgeschaltet, und ein norddeutscher Verpackungsmittelhersteller
hat seine Papierproduktion nach 60 Jahren trotz voller Auftragsbücher geschlossen.

## Mix aus kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen notwendig

Die EEG-Umlage wird zum 1. Juli 2022 abgeschafft – ein halbes Jahr früher als geplant.
Sie gleicht allerdings nur einen Bruchteil der höheren Beschaffungskosten aus. An
kurzfristigen Maßnahmen müssen hinzukommen: eine Verlagerung der übrigen Strompreisumlagen
in den Bundeshaushalt sowie eine Absenkung der Stromsteuer zusammen mit zinsgünstigen
KfW-Krediten bis hin zu direkten Notfallzahlungen. Es werden aber auch mittelfristige
Lösungen gebraucht, um die Höhe der Energiekosten in Deutschland auf einem wettbewerbsfähigen
Niveau zu halten. So sollten beispielsweise die Rahmenbedingungen für grüne Direktverträge
verbessert werden. Der Grünstrombezug über Direktlieferverträge (PPA) bietet die
Möglichkeit, sich langfristig stabile Strompreise zu sichern und zugleich die betriebliche
Klimabilanz zu verbessern.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/explodierende-energiepreise-aktuell-sehr-grosse-herausforderung-fuer-die-wirtschaft-75519)
