# Fachkräfteengpässe bereits jetzt über Vorkrisenniveau

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- Published: 2021-12-02T13:07:27+01:00
- Author: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 02.12.2021

Fachkräfteengpässe nehmen in den Betrieben wieder zu – schneller und in größerem
Umfang als vielfach erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle DIHK-Report 
Fachkräfte 2021. Obwohl die Corona-Krise und wirtschaftliche Schwierigkeiten den
Unternehmen weiterhin zu schaffen machen, sind Stellenbesetzungsprobleme heute häufiger
als vor der Pandemie.

## Starker Anstieg in der Industrie

Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der rund 23.000 beteiligten Unternehmen können 
mindestens einen Teil der Stellen längerfristig nicht besetzen. Das sind nicht nur
deutlich mehr als vor einem Jahr (32 Prozent), als die Personalnachfrage krisenbedingt
stark zurückgegangen war, sondern auch mehr als im Herbst 2019 vor der Krise (47
Prozent). Am häufigsten kommen Besetzungsschwierigkeiten derzeit in der Bauwirtschaft
vor (66 Prozent). Der stärkste Anstieg im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich in der
Industrie – dort sind aktuell 53 Prozent betroffen (2020: 29 Prozent).

## Beruflich Qualifizierte besonders gesucht

Besonders häufig bleibt die Suche nach Absolventinnen und Absolventen einer dualen
Berufsausbildung erfolglos: Davon berichten 57 Prozent der Unternehmen mit unbesetzbaren
Stellen, 8 Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. Die demografische Entwicklung
einerseits und eine nach wie vor hohe Studierneigung andererseits kennzeichnen die
Situation in den letzten Jahren und machen es den Betrieben in der Folge immer schwerer,
Fachkräfte mit einer beruflichen Ausbildung zu finden.

## Nicht ohne Folgen

85 Prozent der Unternehmen rechnen mit negativen Konsequenzen des Fachkräftemangels.
Mehr als vier von zehn Unternehmen (43 Prozent) fürchten, dass sie Aufträge ablehnen
und ihr Angebot einschränken müssen, weil dafür nötiges Personal fehlt – vor zwei
Jahren galt das erst für 39 Prozent. Die Folgen solcher Engpässe bleiben jedoch 
nicht auf die direkt betroffenen Unternehmen beschränkt, sondern können sich zum
Beispiel über Produktions- und Lieferketten auch auf andere Bereiche der Wirtschaft
übertragen: Fehlen IT-Experten, können beispielsweise Mittelständler ihre Geschäftsprozesse
nicht wie gewünscht digitalisieren. Fehlt es an Personal für Planung und Ausführung
von Bauvorhaben, können Wohnungs- wie auch Infrastrukturausbau ins Stocken geraten.

## Reaktionen vielfältig

Eine gesteigerte Arbeitgeberattraktivität, mehr Ausbildung, eine bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf sowie die Einstellung von ausländischen Fachkräften gehören
zu den wichtigsten Maßnahmen, mit denen die Unternehmen auf Personalengpässe reagieren
wollen. Die Zuwanderung aus dem Ausland, insbesondere aus der EU, hat in den Jahren
vor der Pandemie erheblich zum Jobaufbau beigetragen. Die Nettozuwanderung insgesamt
ist seit elf Jahren positiv, hat sich aber in den letzten fünf Jahren stetig verringert(
auf zuletzt plus 220.000 im Jahr 2020). Daher rücken künftig Beschäftigte aus Nicht-
EU-Staaten stärker in den Fokus.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz – seit dem 1. März 2020 in Kraft – kann die Zuwanderung
von beruflich Qualifizierten erleichtern. Der DIHK sieht allerdings an einigen Stellen
Nachbesserungsbedarf. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, bereits mit teilweiser
Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses zuzuwandern, um hierzulande
auf Fachkraftniveau zu arbeiten. Die noch fehlenden Kompetenzen müssen dann vor 
Ort erworben werden.

Diese Regelung gilt allerdings nur für den Fall, dass praktische Fähigkeiten fehlen.
Im Interesse der Betriebe sollte sie auch dann greifen, wenn theoretisches Wissen
fehlt, im Gegenzug aber ausreichend Praxiskompetenzen vorliegen. Eine Beschäftigung
wäre so in mehr Fällen möglich, denn auch Theorieteile lassen sich parallel zur 
Arbeit nachholen. Neben der Zuwanderung gilt es zudem, die Berufliche Bildung weiter
zu stärken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, damit insbesondere
Frauen stärker am Erwerbsleben teilnehmen können.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/fachkraefteengpaesse-bereits-jetzt-ueber-vorkrisenniveau-69322)
