# Hundebiss: Die eigene sog. Tiergefahr ist nicht schadensmindernd anzurechnen

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- Published: 2022-11-02T08:40:00+01:00
- Author: Thomas Stuppy

OLG Frankfurt, Pressemitteilung vom 01.11.2022 zum Beschluss 11 U 34/21 vom 25.08.2022(
rkr)

**Hund wird ohne vorheriges auffallendes Verhalten von einem sich losreißenden Rottweiler
gebissen**

Der Halter eines angeleinten Weimaraners muss sich die eigene sog. Tiergefahr nicht
schadensmindernd anrechnen lassen, wenn sein Hund ohne vorheriges auffallendes Verhalten
von einem sich losreißenden Rottweiler gebissen wird. Die Tiergefahr des Halters
des Weimaraners tritt vollständig hinter die Tiergefahr des Halters des Rottweilers
zurück, betonte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) mit am 01.11.2022 
veröffentlichter Entscheidung und bestätigte die landgerichtliche Verurteilung zur
Zahlung von Schadensersatz.

Der Kläger ging Anfang März 2018 gegen 20 Uhr mit seinem Weimaraner Rüden in der
Umgebung von Mainz spazieren. Er begegnete der Beklagten und ihrem Rottweiler. Ob
der Rottweiler den Weimaraner biss, ist zwischen den Parteien streitig. Im Anschluss
an die Begegnung wurde der klägerische Hund über einen Monat hinweg tierärztlich
behandelt. Der Kläger verlangt nunmehr Ersatz der Tierarztkosten in Höhe von knapp
3.000 Euro, 1.000 Euro Schmerzensgeld sowie Verdienstausfall infolge der Betreuung
des Hundes, insgesamt gut 5.000 Euro. Er behauptet, der Rottweiler habe sich losgerissen,
ihn umgeworfen und seinen Hund durch Bisse in den Hals verletzt. Die Beklagte behauptet,
die jeweils angeleinten Hunde hätten lediglich kurze Zeit „Schnauze an Schnauze“
gestanden.

Das Landgericht hat der Klage in Höhe von 3.017,17 Euro stattgegeben. Das OLG maß
der hiergegen von der Beklagten eingelegten Berufung keinen Erfolg zu. Das Landgericht
habe auf Grundlage der Parteiangaben und des eingeholten Sachverständigengutachtens
für das Berufungsverfahren bindend eine Haftung der Beklagten über die Grundsätze
der Tierhalterhaftung angenommen. Der Rottweiler habe den Weimaraner angegriffen.
Der Weimaraner habe keine aggressiven Handlungen ausgeführt; insbesondere habe er
nicht vor der Attacke gebellt.

Der Kläger müsse sich auch keine eigene Tierhaftung des verletzten Weimeraners schadensmindernd
anrechnen lassen. Vielmehr trete diese Tiergefahr, so das OLG, hinter die des Rottweilers
vollständig zurück. Die Tiergefahr des Rottweilers überwiege die des Weimaraners
schon deshalb, da dieser den Weimaraner angegriffen habe. Weiter vertieft das OLG:„
Hinzu kommt, dass es sich (nur) bei dem Rottweiler um einen gefährlichen Hund im
Sinne des § 2 Abs. 1 der hessischen Hundeverordnung handelt, der Hund also schon
grundsätzlich als mensch- bzw. tiergefährdend anzusehen ist“. Soweit die Beklagte
den Charakter des Hundes als ungefährlich „gutmütig“ und „lieb“ beschrieben habe,
stehe das im Widerspruch zum streitgegenständlichen Vorfall. Schließlich erlange
Bedeutung, dass nur die Beklagte und nicht der Kläger die Kontrolle über das jeweils
geführte Tier verloren hätten. Die Beklagte sei damit der nach der Verordnung bestehenden
Verpflichtung, das Tier so zu führen, dass von ihm keine Gefahr für Leben oder Gesundheit
für Menschen oder Tiere ausgehe, nicht gerecht geworden. „Es wäre Sache der Beklagten(…)
gewesen, jedes Zulaufen des Rottweilers auf den Kläger und seinen Hund zu verhindern“,
betont das OLG abschließend.

Die Berufung wurde auf diesen Hinweisbeschluss hin zurückgenommen. Das landgerichtliche
Urteil ist damit rechtskräftig.

_Quelle: OLG Frankfurt_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/recht/hundebiss-die-eigene-sog-tiergefahr-ist-nicht-schadensmindernd-anzurechnen-88189)
