# Industrie 4.0 sorgt für mehr Nachhaltigkeit in der Produktion

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- Veröffentlicht: 2022-05-24T08:36:56+02:00
- Autor: Thomas Stuppy

Bitkom, Pressemitteilung vom 24.05.2022

 * Digitalisierung kann CO2-Emissionen der Industrie massiv reduzieren
 * 9 von 10 Industrieunternehmen setzen auf Industrie 4.0
 * Bitkom veröffentlicht Industrie-4.0-Kompass anlässlich der Hannover Messe

Ressourcen schonen, Energie sparen, CO2-Ausstoß reduzieren: Auf dem Weg zu mehr 
Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielt die Industrie eine Schlüsselrolle. Digitalisierung
ist der wesentliche Hebel, um diese Ziele zu erreichen. So steht die Hannover Messe
als weltweite Industrieleitmesse in diesem Jahr auch unter dem Leitthema „Digitalisierung
und Nachhaltigkeit“. Eine aktuelle, repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands
Bitkom stellt die Bedeutung digitaler Anwendungen für mehr Klimaschutz heraus. Demnach
sagen 8 von 10 Unternehmen (81 Prozent), dass Industrie 4.0 zu einer nachhaltigen
Produktion beiträgt. Befragt wurden rund 550 Industrieunternehmen in Deutschland
ab 100 Beschäftigten. Gleichzeitig betonen 91 Prozent, dass Industrie 4.0 unverzichtbar
ist, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. 6 von 10 Unternehmen sagen,
dass die Arbeit weniger fehleranfällig wird (61 Prozent) und sich konventionelle
Geschäftsmodelle verändern werden (58 Prozent). „Durch eine konsequente Digitalisierung
kann die deutsche Industrie sich zwei dringlichen Herausforderungen zugleich stellen:
Digitalisierung macht die Unternehmen nachhaltiger und wettbewerbsfähiger“, sagt
Christina Raab, Mitglied im Bitkom-Präsidium.

Großes Potenzial bietet die Digitalisierung der Industrie in der Reduktion von CO2-
Emissionen. So können im Jahr 2030 bei einem beschleunigten Einsatz digitaler Technologien
allein in Deutschland bis zu 64 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden – das sind
17 Prozent der insgesamt geplanten CO2-Einsparungen im Rahmen des Klimaziels 2030.
Das zeigt die Bitkom-Studie [„Klimaeffekte der Digitalisierung“](https://www.bitkom.org/klimaschutz).
Demnach kann der Einsatz von digitalen Zwillingen, also die Simulation und Optimierung
von physikalischen Produkten oder Prozessen, 33 Millionen Tonnen CO2 einsparen. 
Weitere 31 Millionen Tonnen können durch verstärkte Automatisierung in der Produktion
vermieden werden, indem digitale Technologien manuelle Eingriffe und den Materialeinsatz
reduzieren sowie Prozesse optimieren.

## 9 von 10 Unternehmen setzen auf Industrie 4.0

65 Prozent der Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten nutzen derzeit spezielle
Anwendungen für Industrie 4.0 und weitere 25 Prozent planen den Einsatz. Raab: „
Industrie 4.0 ist im produzierenden Gewerbe angekommen. Insgesamt setzen 90 Prozent
der Unternehmen auf Industrie 4.0 – und investieren dafür rund 6 Prozent ihres gesamten
Jahresumsatzes.“ Vergangenes Jahr waren es nach Bitkom-Angaben mit 83 Prozent noch
etwas weniger, im Jahr 2019 waren es sogar erst 74 Prozent. Nur 8 Prozent planen
derzeit keinen Einsatz spezieller Anwendungen, können sich aber vorstellen, dies
in Zukunft zu tun. Für ausnahmslos alle der befragten Unternehmen ist Industrie 
4.0 heute ein Thema. „Die Corona-Pandemie hat der deutschen Industrie einen dauerhaften
Digitalisierungsschub gegeben“, so Raab.

Mittlerweile nutzt jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) digitale Marktplätze, um
Produkte und Dienstleistungen einzukaufen oder zu verkaufen. Weitere 17 Prozent 
planen den Eintritt in den elektronischen Handel in den kommenden 12 Monaten und
12 Prozent haben noch keine konkreten Pläne, diskutieren aber darüber. Für jedes
fünfte Unternehmen (20 Prozent) sind digitale Marktplätze hingegen kein Thema. Virtual
und Augmented Reality ist bereits in 31 Prozent der Unternehmen im Einsatz, 19 Prozent
planen dies und 16 Prozent diskutieren darüber. Der Mobilfunkstandard 5G wird in
29 Prozent der Unternehmen genutzt und ist in weiteren 21 Prozent geplant. Bei genauso
vielen (21 Prozent) steht der Einsatz noch ergebnisoffen zur Debatte. Lifecycle 
[Management](https://www.maier-steuerberater.de/leistungen/kernkompetenzen/management-beratung/)–
dabei werden alle relevanten Informationen zu einem Produkt verwaltet und verfügbar
gemacht – nutzt jedes vierte Unternehmen (25 Prozent), mehr als jedes Sechste (18
Prozent) plant den Einsatz und ein Fünftel (21 Prozent) diskutiert zumindest darüber.

## Hoher Aufwand bremst KI-Einsatz in der Industrie

Künstliche Intelligenz zählt heute zu den Schlüsseltechnologien in der Industrie.
In fast 4 von 10 Unternehmen (38 Prozent) hat sie Anwendung gefunden – 66 Prozent
von ihnen nutzen KI in der Produktion zur Automatisierung von Prozessen, 64 Prozent
für die Datenanalyse bei der Prozessüberwachung, 35 Prozent wenden beide Einsatzmöglichkeiten
an. Konkrete Pläne für den Einsatz von KI haben 17 Prozent der Unternehmen, 18 Prozent
diskutieren darüber. Für jedes Vierte (25 Prozent) ist KI aktuell noch kein Thema.
Das größte Hemmnis beim Einsatz von KI sehen 42 Prozent aller Industrieunternehmen
in der mangelnden Datengrundlage. 40 Prozent scheint der Aufwand insbesondere bei
der Implementierung zu hoch, 36 Prozent fehlen Standards und 32 Prozent hindert 
der Zertifizierungsprozess. Gut jedes vierte Unternehmen (28 Prozent) gibt ethische
Gründe als Hürde beim Einsatz von KI an.

## Bedeutung digitaler Zwillinge steigt

Digitale Zwillinge werden in jedem dritten Unternehmen (33 Prozent) eingesetzt. 
Ein weiteres Fünftel (19 Prozent) plant die Nutzung und 16 Prozent diskutieren dies.„
Digitale Zwillinge sind digitale Kopien von Objekten der realen Welt – von Produkten
und Maschinen bis zu ganzen Fabriken. Dank ihrer Hilfe lassen sich Produktions- 
und Wartungsprozesse massiv beschleunigen und im alltäglichen Einsatz fortlaufend
optimieren“, erklärt Raab. Die Bedeutung von digitalen Zwillingen wird mittelfristig
weiter zunehmen. So ist eine große Mehrheit der Unternehmen (82 Prozent) der Meinung,
dass der Einsatz digitaler Zwillinge in den kommenden fünf Jahren ansteigen wird.
Nur 17 Prozent gehen davon aus, dass sich die Relevanz nicht verändern wird. Kein
einziges der befragten Unternehmen nimmt an, dass digitale Zwillinge zukünftig keine
große Rolle spielen werden. Dennoch ist für 3 von 10 (29 Prozent) der Einsatz derzeit
kein Thema. Wie auch beim Einsatz von KI haben die meisten von ihnen (51 Prozent)
nicht genügend Daten zur Verfügung, um digitale Zwillinge einzusetzen. 38 Prozent
fehlen Standards und für 23 Prozent aller Unternehmen ist die Wirtschaftlichkeit
nicht einschätzbar.

## Potenziale von IoT-Plattformen

IoT-Plattformen, mit denen Daten, Produkte, Maschinen oder Prozesse vernetzt werden
können, setzen 35 Prozent der produzierenden Unternehmen ein und fast genauso viele(
30 Prozent) planen dies. Für lediglich 14 Prozent sind IoT-Plattformen kein Thema,
bei 19 Prozent steht der Einsatz zur Diskussion. Fast jedes Zweite (49 Prozent) 
sieht die größten Potenziale bei so genanntem Remote Monitoring – also der Fernüberwachung–
und bei Echtzeit-Einblicken in die Herstellungsprozesse. 42 Prozent schätzen die
Beschleunigung von Prozessen. 39 Prozent sehen Potenziale in der Predictive Maintenance.
Damit bezeichnet man die vorausschauende Wartung von Maschinen und Systemen, wo 
zum Beispiel Teile nur bei Bedarf und dann aber rechtzeitig ersetzt werden, bevor
ein Defekt eintritt. IoT-Plattformen helfen auch bei der Erreichung übergeordneter
betrieblicher Ziele wie der Umsatzsteigerung (40 Prozent), der Qualitätsverbesserung(
36 Prozent) und der Kostensenkung (31 Prozent). „IoT-Plattformen vernetzen in der
Industrie Produkte, Maschinen und Menschen und treiben somit den digitalen Wandel
voran“, erklärt Raab. „Anlagen lassen sich zentral aus der Ferne überwachen, Daten
stehen in Echtzeit zur Verfügung, Prozesse laufen automatisiert ab. So können Unternehmen
schnell auf Veränderungen reagieren und kostspielige Ausfälle durch vorausschauende
Wartung proaktiv vermeiden.“

## Fachkräfte profitieren von Industrie 4.0

Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien im industriellen Umfeld verändert 
auch den Arbeitsmarkt. So erwarten 7 von 10 Unternehmen (71 Prozent), dass durch
Industrie 4.0 neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen. Im Vorjahr
meinten dies erst 57 Prozent. Auf diesen Wandel stellt sich die Industrie jetzt 
ein. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Industrieunternehmen investieren in 
die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden rund um Industrie 4.0 (2021: 68 Prozent).
Zugleich meinen aber auch 61 Prozent, dass Arbeitsplätze für gering Qualifizierte
wegfallen werden. Raab: „In der Industrie 4.0 ist Platz für Beschäftigte jeden Bildungsgrades.
Digitale Technologien können helfen, die Arbeit in der Fabrik zu erleichtern. Mithilfe
von Augmented-Reality-Brillen können etwa auch weniger qualifizierte Beschäftigte
anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen, indem sie aus der Ferne durch Anleitung höherqualifizierter
Kollegen oder vor Ort durch Software unterstützt werden.“ Entsprechend geht etwa
die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) davon aus, dass komplexe Aufgaben dank Industrie
4.0 auch von eher gering qualifizierten Arbeitern übernommen werden können. Und 
9 von 10 Unternehmen (91 Prozent) erwarten, dass die körperliche Belastung in der
Fabrik etwa durch den verstärkten Einsatz von Robotern weiter abnehmen wird.

## Mittelstand zeigt Nachholbedarf in der Industrie 4.0

Immerhin 39 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen sich als Vorreiter 
der Industrie 4.0. Andererseits gruppiert sich jedes Zweite (51 Prozent) als Nachzügler.
7 Prozent der Unternehmen fühlen sich abgehängt. Den größten Nachholbedarf hat der
Mittelstand. So bezeichnen sich 58 Prozent der Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten
als Nachzügler und nur 30 Prozent als Vorreiter. Unter den großen Unternehmen ab
500 Mitarbeitenden ist es umgekehrt: Lediglich 37 Prozent sehen sich als Nachzügler,
mehr als die Hälfte (54 Prozent) als Vorreiter.

Das größte Hemmnis, Industrie 4.0 zu etablieren, sind nach Selbstauskunft der Unternehmen
fehlende finanzielle Mittel (81 Prozent). Aber auch die Anforderungen an den Datenschutz
empfinden zwei Drittel (67 Prozent) als Hemmnis. 61 Prozent identifizieren Anforderungen
an die IT-Sicherheit als Problem und für 58 Prozent ist das Thema zu komplex. Rund
die Hälfte (51 Prozent) sieht in fehlenden Fachkräften ein Hindernis, 4 von 10 Unternehmen(
40 Prozent) bemängeln die Störanfälligkeit der Systeme. 29 Prozent fehlt der Austausch
mit Unternehmen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Nur eine geringe Rolle
spielen demgegenüber ein Mangel an externer Beratung (12 Prozent), fehlendes Wissen
über Best-Practice-Lösungen (12 Prozent) oder eine zu geringe Verfügbarkeit von 
marktfähigen Lösungen (12 Prozent). Gerade einmal 6 Prozent beklagen eine zu geringe
Akzeptanz in der Belegschaft. Raab: „Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) hat nach
Angaben seines Managements schlicht keine Zeit, um sich mit der Digitalisierung 
zu befassen. In Zukunft ist das industrielle Geschäft zu annähernd 100 Prozent digital.
Digitalisierung gehört ganz oben auf die To-Do-Liste jedes Managers und jeder Managerin.“

## Industrie wünscht sich bessere Regulierung, mehr Förderung und umfassende Bildungsangebote

Auf dem digitalen Wunschzettel der Unternehmen stehen steuerliche Maßnahmen ganz
oben. 84 Prozent fordern steuerliche Impulse, um Investitionen in die Industrie 
4.0 anzuschieben. Ähnliche viele – 82 Prozent – wünschen sich mehr Rechtssicherheit
beim Datenaustausch mit anderen Unternehmen. 44 Prozent plädieren für die Etablierung
von Standards für Industrie-4.0-Anwendungen. Etwa 6 von 10 Unternehmen wollen einen
schnelleren Bewilligungsprozess von Förderanträgen (61 Prozent) und mehr als die
Hälfte (52 Prozent) plädiert für den Ausbau von FuE-Förderprogrammen für Hochschulen
und Forschungseinrichtungen. Im Bildungsbereich wünschen sich 59 Prozent Weiterbildungsangebote
und die Integration von Industrie-4.0-Themen in Ausbildung und Studium. 55 Prozent
möchten Programme zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften rund um Industrie 4.0
und etwa genauso viele (54 Prozent) mehr Informations- und Beratungsangebote für
Unternehmen. „Digitalisierung ist der Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit
der deutschen Industrie“, so Raab.

## Bitkom veröffentlicht Digitalisierungsradar als Kompass in der Industrie 4.0

Durchblick im Dschungel der Industrie 4.0 will der Bitkom mit einem neuen [„Industrie-4.0-Digitalisierungsradar“](https://www.bitkom.org/Industrie-4-0-Digitalisierungsradar)
schaffen. Darin werden relevante Technologien und Einsatzfelder aufgezeigt. Als 
Kompass und Ratgeber soll er zeigen, welche Anwendungen für Industrie 4.0 wichtig
sind und welches Potenzial sie bergen. Der Digitalisierungsradar wird fortlaufend
erweitert und aktualisiert. Er richtet sich insbesondere an mittelständische Unternehmen
im produzierenden Gewerbe – und alle, die sich mit der Industrie 4.0 beschäftigen.

_Quelle: Bitkom_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/industrie-4-0-sorgt-fuer-mehr-nachhaltigkeit-in-der-produktion-78886)
