# Kein Nachweis eines niedrigeren gemeinen Wertes aus einer Teilerbauseinandersetzung

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- Published: 2022-05-12T08:34:55+02:00
- Author: Thomas Stuppy

FG Düsseldorf, Mitteilung vom 12.05.2022 zum Urteil 11 K 2359/19 BG vom 03.09.2020(
nrkr – BFH-Az. II R 8/21)

Der 11. Senat des FG Düsseldorf hatte sich mit der Nachweisführung eines gemeinen
Wertes auseinanderzusetzen:

Nach dem Ableben der Erblasserin wurden deren Bruder zu 60 % und der Kläger zu 40%
Erben des mit einem Reihenmittelhaus bebauten Grundstücks. Der Kläger stand mit 
der Erblasserin in keinem Verwandtschaftsverhältnis. Im Rahmen einer Teilerbauseinandersetzung
erwarb der Kläger den auf den Bruder entfallenden Anteil zu einem Kaufpreis in Höhe
von 48.000 Euro. Diesen Kaufpreis hätte der Kläger anhand des Wertes für ein ähnliches,
vermietungsfähiges Einfamilienhaus ermittelt, welches in der Umgebung angeboten 
worden wäre. Daraus ergebe sich aus seiner Sicht ein Verkehrswert in Höhe von 80.000
Euro, wovon 60 % (dies entspricht 48.000 Euro) auf den Bruder entfielen.

Demgegenüber stellte das beklagte Finanzamt im Vergleichswertverfahren für Zwecke
der Erbschaftsteuer einen Grundbesitzwert in Höhe von 137.592 Euro fest. Es vertrat
die Ansicht, dass kein Kaufpreis im gewöhnlichen Geschäftsverkehr vorläge, da der
auf den Bruder entfallende Grundstücksanteil nur einem begrenzten Personenkreis,
nämlich nur dem Kläger, angeboten worden sei.

Der Kläger trug dagegen vor, dass es sich schon deshalb um einen Verkauf im gewöhnlichen
Geschäftsverkehr handele, da zwischen Kläger und dem Bruder der Erblasserin kein
Näheverhältnis bestanden habe.

Der 11. Senat sah in seinem Urteil einen niedrigeren Verkehrswert nicht durch einen
zeitnah erzielten Kaufpreis nachgewiesen. Die Teilerbauseinandersetzung habe sich
nicht im gewöhnlichen Geschäftsverkehr vollzogen; zudem habe sie nur einen Teil 
der zu bewertenden wirtschaftlichen Einheit betroffen. Verkäufe von Miteigentumsanteilen
entsprächen nicht dem gewöhnlichen Geschäftsverkehr, da diese üblicherweise nicht
als solche, sondern nur mit dem gesamten Grundstück veräußert würden. Gleiches gelte
nach Auffassung des Senats erst recht im Fall einer Teilerbauseinandersetzung, bei
der in Bezug auf ein Grundstück wirtschaftlich betrachtet ebenfalls Eigentumsanteile
übertragen werden. Es sei deshalb unerheblich, dass Kläger und der Veräußerer vorliegend
keine nahe stehenden Personen gewesen seien. Überdies sei der Grundstücksanteil 
auch nur dem Kläger und keinen anderen Personen angeboten worden.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die vom Bundesfinanzhof zugelassene Revision
ist unter dem Az. II R 8/21 anhängig.

_Quelle: FG Düsseldorf, Newsletter Mai 2022_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/steuern/kein-nachweis-eines-niedrigeren-gemeinen-wertes-aus-einer-teilerbauseinandersetzung-78200)
