# Mehr Pioniergeist in unsicheren Zeiten – Vorschläge aus der IHK-Praxis

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- Veröffentlicht: 2022-06-24T07:47:08+02:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 23.06.2022

Gerade in unsicheren Zeiten braucht es unternehmerischen Mut und Weitsicht, um Impulse
für Innovationen und Wachstum zu setzen. Erfolgreiche Unternehmensgründerinnen und-
gründer sind Vorbilder, die auch Wege aus Krisen aufzeigen. Es ist daher eine erfreuliche
Nachricht, dass wieder mehr größere Betriebe gegründet werden. Zudem berichten die
Industrie- und Handelskammern (IHKs) aus ihren Beratungsgesprächen von mehr Menschen,
die zunächst nebenberuflich in die Selbstständigkeit starten wollen. Die IHKs sehen
aber auch eine Reihe von Entwicklungen, die Grund zur Besorgnis sind.

## Weniger Gründungsinteresse bei Dienstleistungen, Handel und Gastronomie

Vor allem in Bereichen, die auch in den Regionen das Unternehmertum prägen, ist 
das Gründungsinteresse 2021 gesunken. So haben im vergangenen Jahr die Lockdown-
Phasen infolge der Pandemie besonders im Einzelhandel und in der Gastronomie zu 
großen Unsicherheiten geführt.

Auch langfristige Trends wirken sich hier aus – wie etwa die Demografie: Die besonders
gründungsaktiven jüngeren Jahrgänge werden immer kleiner. Und: Aufgrund des Fachkräftemangels
gibt es viele Möglichkeiten für lukrative Beschäftigungsverhältnisse.

Zudem berichten die Gründerinnen und Gründer von vielen Hürden wie etwa komplizierten
Anträgen und schwierigen Finanzierungszugängen, die schon im Vorfeld abschrecken.
Insgesamt sank aus diesen Gründen die Zahl der persönlichen IHK-Gespräche mit Gründerinnen
und Gründern 2021 nochmals deutlich um 10 Prozent gegenüber 2020 auf knapp 160.000–
und damit auf ein historisches Tief in der seit 2002 geführten IHK-Statistik.

## Nebenerwerbsgründungen werden beliebter

Erfreulich: Gegen den Trend wuchs das Interesse an Nebenerwerbsgründungen – 4 Prozent
mehr Gründerinnen und Gründer wollten sich ein zweites Standbein aufbauen. Um das
Thema Nebenerwerbsgründung ging es 2021 in 40 Prozent der IHK-Gründungsberatungen(
2020: 34 Prozent), auch infolge der Unsicherheiten während der Corona-Pandemie. 
Einen Zuwachs vermelden die IHKs auch bei ihren Seminaren zu betriebswirtschaftlichen
Themen wie Marketing oder Planrechnungen: Hier stieg die Teilnehmerzahl um 5 Prozent
auf gut 24.000. Dabei fanden vor allem Online-Formate wie Webinare oder virtuelle
Sprechstunden steigendes Interesse. Auch niederschwellige Events wie Gründertage
waren stärker besucht und verzeichneten mit rund 17.500 Teilnehmenden ein Plus von
13 Prozent.

## Jetzt gefragt: vor allem Bürokratieabbau und besserer Finanzierungszugang

Aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie lassen sich Lehren ziehen, um gute Bedingungen
für Unternehmensgründungen zu schaffen. Der DIHK hat bundesweit Gründerinnen und
Gründer nach den drängendsten Herausforderungen befragt und über 250 Antworten ausgewertet.
Ganz oben auf der Agenda stehen dabei weniger Bürokratie (von 79 Prozent der Teilnehmenden
gewünscht), Vereinfachungen im Steuerrecht (63 Prozent) und ein besserer Zugang 
zu öffentlichen Fördermitteln (36 Prozent).

 * Gut ist, dass der Koalitionsvertrag wichtige Maßnahmen zum Bürokratieabbau aufgreift–
   etwa die Einführung des Once-only-Prinzips, nach dem bei Genehmigungs- und Meldeverfahren
   Daten nicht doppelt anzugeben sind. Auch das Ziel, die Gründung eines Unternehmens
   innerhalb von 24 Stunden zu ermöglichen, sollte rasch angegangen werden.
 * Für eine Vereinfachung des Steuersystems gibt es nach Einschätzung der IHK-Organisation
   viele Anknüpfungspunkte wie die Abschaffung oder zumindest deutliche Vereinfachung
   des von vielen Kleinunternehmen anzuwendenden Formulars „Einnahme-Überschussrechnung“.
 * Nebenerwerbsgründungen gewinnen nach den IHK-Erfahrungen immer mehr an Bedeutung,
   gerade in Krisenzeiten. Bund und Länder sollten daher ihre Förderinstrumentarien
   systematisch auf ihre Eignung für Nebenerwerbsgründungen hin überprüfen.
 * Gerade innovative Start-ups fordern einen besseren Zugang zu Beteiligungskapital(
   bezogen auf sämtliche Befragten mahnen dies 11 Prozent an). Der Koalitionsvertrag
   enthält hierfür gute Maßnahmen – etwa den Einsatz öffentlichen Kapitals als Anker.
   Auch der Entwurf der Start-up-Strategie der Bundesregierung sieht Maßnahmen für
   mehr Beteiligungskapital vor. Gründerinnen und Gründer wünschen sich zudem Anpassungen
   von im internationalen Vergleich sehr restriktiven Regelungen. So können Verluste
   in Deutschland lediglich unter Einhaltung bestimmter Vorgaben vorgetragen werden.
   Eine einschränkende Bedingung dafür ist, dass das Geschäftsmodell nicht verändert
   wird – gerade für Start-ups in einem hoch innovativen Umfeld eine praxisferne
   Regel.

In seinem aktuellen [DIHK-Report Unternehmensgründungen](https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/gruendung-und-nachfolge-unternehmensfinanzierung/unternehmensgruendung/report-unternehmensgruendung)
fasst der DIHK die Erkenntnisse aus der Praxis zusammen und unterbreitet konkrete
Vorschläge.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/mehr-pioniergeist-in-unsicheren-zeiten-vorschlaege-aus-der-ihk-praxis-80434)
