# Steuereinnahmen wachsen 2023 trotz erwarteter Rezession – warum?

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- Veröffentlicht: 2022-10-31T07:35:30+01:00
- Autor: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 28.10.2022

Die deutsche Wirtschaft wird 2023 schrumpfen: Unternehmen machen weniger Gewinne,
vor allem bedingt durch die hohen Energiekosten. Doch bei den Steuereinnahmen erwarten
die Steuerschätzer – anders als bei der Finanzkrise 2009 oder der Corona-Pandemie
2020 – für das kommende Jahr weiter ein Plus. Wie kann das sein?

Wie stark der für 2023 prognostizierte konjunkturelle Einbruch sein wird, darüber
gehen die Meinungen noch auseinander. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommt
als Vorlage für den Arbeitskreis „Steuerschätzung“ die eher optimistische Annahme,
dass das Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,4 Prozent sinken wird.

Die Steuerschätzer haben am 27. Oktober ihre Prognosen zu den Auswirkungen vorgelegt.
Demnach wird das Steueraufkommen des Staates in diesem Jahr mit 887,7 Milliarden
Euro lediglich um 1,6 Milliarden Euro niedriger ausfallen als im Mai erwartet. Trotz
der vorausgesagten Rezession soll das Steueraufkommen im kommenden Jahr sogar stärker
steigen als noch im Mai prognostiziert. Im Mai wurde ein Zuwachs von gut 39 Milliarden
Euro von 2022 auf 2023 prophezeit, jetzt sagen die Steuerschätzer ein Plus von sogar
49,6 auf 937,3 Milliarden Euro voraus.

Auch für die Jahre nach 2023 wird eine weitere Zunahme der gesamtstaatlichen Steuereinnahmen
erwartet – auf den Höchstwert von 1.115 Milliarden Euro im Jahr 2027, dem letzten
Jahr des von den Steuerschätzern in den Blick genommenen Zeitraums.

## Vor allem die hohe Inflation füllt die Staatskassen

Wieso steigen die Steuereinnahmen trotz der Rezession? Das liegt vor allem an den
hohen Inflationsraten. Die auch für 2023 vorausgesagten hohen Inflationsraten sorgen
für ein weiter steigendes Umsatzsteueraufkommen – die höheren Preise belasten die
Verbraucher, kommen aber dem Fiskus zugute – trotz der vorhergesagten Konsumzurückhaltung.

Auch das Aufkommen der Lohn- und Einkommensteuer steigt angesichts stabiler Beschäftigung
und nominaler Gehaltszuwächse. Hier will die Bundesregierung zwar eine Anpassung
des Steuertarifs vornehmen, um so die Effekte der sog. kalten Progression abzumildern.
Weil das Gesetz aber noch nicht beschlossen ist, werden die daraus resultierenden
gesamtstaatlichen Mindereinnahmen in der aktuellen Schätzung noch nicht berücksichtigt.
Laut Gesetzentwurf der Bundesregierung betragen die Mindereinnahmen aus der Anpassung
des Einkommensteuertarifs bis 2027 immerhin jedes Jahr 17,8 Milliarden Euro.

Umsatz- und Einkommensteuer machen immerhin gut 60 Prozent des gesamtstaatlichen
Steueraufkommens aus. Weil auch bei den Gewinnsteuern der Unternehmen (Körperschaft-
und Gewerbesteuer) ein leichtes Plus vorausgesagt wird, ergibt sich unter dem Strich
trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage ein Plus bei den gesamten Steuereinnahmen
des Staates.

## Ende des Immobilienbooms zulasten der Länderkassen

Weniger Einnahmen als zuletzt erwartet wird der Fiskus in diesem und den kommenden
Jahren aus der Grunderwerbsteuer erzielen. Hohe Immobilienpreise, gestiegene Zinsen
für Baufinanzierungen sowie der Fachkräftemangel führen zunehmend zu Stornierungen
von Bauprojekten, auch seitens gewerblicher Kunden. Das belastet die Haushalte der
Länder, denn sie sind die Empfänger der Grunderwerbsteuer. Doch zugleich profitieren
auch sie von dem stärker steigenden Einkommens- und Umsatzsteueraufkommen. In der
Summe wird die Einnahmesituation der Länder in den nächsten Jahren angespannter 
ausfallen.

Das dürfte sich auch auf die Haushalte der Gemeinden auswirken, deren Mittelausstattung
die Länder sicherstellen müssen. Das ist für die Wirtschaft wichtig, wird doch von
den Gemeinden ein überwiegender Teil der öffentlichen Investitionen gestemmt. Für
die wichtigste eigene Einnahmequelle der Kommunen, die Gewerbesteuer, sagen die 
Steuerschätzer zwar in den kommenden Jahren ein stetiges Plus voraus. Das wird aber
auch nur dann so eintreten, wenn die Unternehmen gut durch die aktuelle Energiekrise
kommen werden.

## Neue Prioritäten: stabilisieren und investieren

Höchste Priorität hat aktuell die Sicherung der Energieversorgung. Die Bundesregierung
hat dafür in Form des reaktivierten Wirtschafts- und Stabilisierungsfonds ein weiteres
Sondervermögen in Höhe von bis zu 200 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Für 
die entsprechenden Kredite müssen zukünftig Tilgungs- und Zinsleistungen aufgebracht
werden. Das gilt gleichermaßen für die im Zuge der Corona-Pandemie aufgenommenen
Nettokredite des Bundes.

Umso wichtiger ist es, klare Prioritäten auf der Ausgabenseite öffentlicher Haushalte
zu setzen. Schwerpunkte sollten dabei die Beschleunigung der Digitalisierung und
des Transformationsprozesses der deutschen Wirtschaft sein. Auch die Stabilisierungshilfen
für Unternehmen, die angesichts der stark gestiegenen Energiekosten um ihre Existenz
kämpfen, dürfen keinesfalls aus dem Blick geraten.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/steuereinnahmen-wachsen-2023-trotz-erwarteter-rezession-warum-88129)
