# Südamerika im Fokus: Marktchance Mercosur

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- Published: 2022-10-10T04:07:00+02:00
- Author: Thomas Stuppy

DIHK, Mitteilung vom 07.10.2022

Seit den 90er-Jahren verhandeln die EU und die Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien,
Uruguay und Paraguay über ein umfassendes Handelsabkommen. Zwar wurden die Verhandlungen
im Juni 2019 abgeschlossen, jedoch ist die Ratifizierung bisher politisch in der
EU blockiert. Dabei könnte das Abkommen gerade jetzt wichtige Wachstumsimpulse für
die international eng vernetzte deutsche Wirtschaft bieten. Immerhin hängt ein Viertel
der deutschen Arbeitsplätze am Außenhandel, in der Industrie sogar jeder zweite.

## Abkommen birgt großes Potenzial

Weltweit macht zunehmender Protektionismus den grenzüberschreitend tätigen Unternehmen
zu schaffen. Eine ambitionierte europäische Handelspolitik ist daher Grundvoraussetzung
für den internationalen Erfolg deutscher Betriebe.

Das ehrgeizige EU-Mercosur-Abkommen setzt hierfür richtige Akzente: Es kann im Laufe
der nächsten Jahre fast alle Zölle zwischen der EU und dem bisher wirtschaftlich
protektionistischen Mercosur-Raum abschaffen, den Dienstleistungshandel erleichtern,
öffentliche Beschaffungsmärkte öffnen, regulatorische Kooperation vereinfachen und
350 traditionelle europäische Spezialitäten wie schwäbische Spätzle oder bayerisches
Bier auch im Mercosur schützen.

Und: Das EU-Abkommen hat ein gezieltes Mittelstandskapitel, damit die Vorteile auch
kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erreichen. 12.500 deutsche Betriebe exportieren
in den Mercosur-Raum, 72 Prozent davon sind KMU. Bisher unterliegen 85 Prozent der
europäischen Ausfuhren in den Mercosur – einen Markt von über 260 Millionen Konsumenten–
einem Zoll. Das verursacht in deutschen und europäischen Betrieben Kosten in Höhe
von jährlich vier Milliarden Euro. Entsprechend sieht ein Großteil der Unternehmen
in einem – auch in der Wirtschaft intensiv diskutierten – Handelsabkommen Chancen
für sich.

## Traditionelle Partnerschaften stärken

Eine Ratifizierung würde Europa und seinen Unternehmen einen wichtigen zeitlichen
Vorsprung verschaffen, da somit das erste Abkommen zwischen den Mercosur-Staaten
und einem bedeutenden Handelspartner in Kraft wäre. Aber auch andere große Wettbewerbsnationen
sind in der Region zunehmend aktiv. Daher sollten sich die EU und die Bundesregierung
für eine rasche Umsetzung des Abkommens einsetzen.

Europa kann dabei bereits auf intensiven Handelsbeziehungen aufbauen. Allein nach
Brasilien exportierten deutsche Unternehmen 2021 Waren und Dienstleistungen im Wert
von mehr als 10 Milliarden Euro, der deutsche Investitionsbestand dort lag 2020 
bei über 18 Milliarden Euro. Die brasilianische Metropole São Paulo beispielsweise
ist einer der größten Standorte der deutschen Industrie weltweit. Das zeigt das 
Potenzial, welches bei einer Ratifizierung des Abkommens erschlossen werden kann.
Marktchancen für deutsche Unternehmen liegen vor allem in den Bereichen Maschinenbau,
Automobil und Ernährung, wo die Mercosur-Länder bisher mitunter sehr hohe Zölle 
erheben.

## Kernaspekt Nachhaltigkeit

Alle Beteiligten haben sich im Abkommen auf klare Standards zum Umweltschutz verständigt.
Außerdem verpflichten sie sich, das Pariser Klimaschutzabkommen umzusetzen. Daran
müssen sich am Ende alle Partner halten. Für die deutsche Wirtschaft steht fest:
Je stärker die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika sind,
desto besser auch die Chancen, in Umweltfragen gemeinsam voranzukommen.

Hiesige Unternehmen sind – auch mit Unterstützung der deutschen Auslandshandelskammern(
AHKs) – bereits seit über 100 Jahren in den Mercosur-Ländern vertreten. Sie sichern
Zehntausende Arbeitsplätze und tragen etwa durch die duale Ausbildung nach deutschem
Vorbild vor Ort zur nachhaltigen Entwicklung der Region bei. Das EU-Mercosur-Abkommen
bietet nun neue Chancen, dieses Engagement gemeinsam weiter zu stärken.

## Signalwirkung für offene Märkte

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und protektionistischer Strömungen,
sollte die Bundesregierung gerade jetzt auch EU-Verträge mit Indonesien und Indien
vorantreiben. Die EU sollte als Weltmeister der Handelsabkommen ihre Führungsrolle
für weltweit offene Märkte und einen regelbasierten Handel stärker zum Tragen bringen.
Denn moderne Abkommen können verlässliche Rahmenbedingungen zur Diversifizierung
von Lieferketten schaffen und neue Absatzmärkte erschließen.

## Implementierung ist für Unternehmen entscheidend

Entscheidend für den Erfolg von Handelsabkommen ist ihre Umsetzung. Die Bundesregierung
sollte sich hier für Vereinfachungen stark machen, insbesondere durch klare und 
harmonisierte Regeln für den Warenursprung, ein umfassendes EU-Online-Tool zu Ursprungsregeln
und standardisierte Ursprungsnachweise über alle Abkommen hinweg. Die Digitalisierung
der Zollprozesse sollte beschleunigt und der EU-Zolltarif vereinfacht werden. Das
würde vor allem KMU entlasten und den Handel erleichtern.

_Quelle: DIHK_

[Quelle](https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/suedamerika-im-fokus-marktchance-mercosur-86512)
